1. Mai Rede: Zeit für Game Over

admin 1. Mai 2012

Mehr! Mehr ist das Motto des diesjährigen 1. Mai. Mehr Lohn, Mehr Rente, Mehr Schutz.

Das greift mitten in die Realität der Arbeitnehmenden: Es ist die Forderung nach dem verdienten Teil des gemeinsam erwirtschafteten Wohlstandes, nach dem angemessenen Stück des Kuchens. Der Gewerkschaftsbund hat im Verteilungsbericht zum zweiten Mal klar aufgezeigt, wie dieser Kuchen zur Zeit verteilt ist: Das dickste Stück des Kuchens schneiden sich die Reichen ab und die sind nimmersatt.

Dass wir unseren verdienten Teil einfordern ist richtig. Aber reicht das?

Meine beiden Brüder und ich spielten häufig Monopoly. Während Stunden fesselte uns ein Spiel, welches nur einen Gewinner kannte. Am Schluss blieb einer übrig, der alles hatte und zwei die bankrott waren. Ein brutaler Schluss, der jeweils nach etwa zwei Stunden eintreten sollte. Unser Monopolyspiel ging aber meistens deutlich länger. Denn sind wir ehrlich. Wer Zürich Rennweg, Zürich Paradeplatz, Luzern Weggisgasse, Bern Spitalgasse, Basel Freie Strasse und allenfalls als Manöveriermasse auch noch Aarau Rathausplatz besass, der hatte eine grosse Freude am Spiel. Für diesen hätte das Spiel noch ewig weitergehen können. Das tat es nicht. Denn zum Spielen braucht es mindestens Zwei.

Es war zwar verkraftbar, wenn einer der Brüder ausschied, aber spätestens, wenn auch noch der andere zum zweiten Mal auf Zürich Paradeplatz mit Hotel landet, drohte das Spiel zu Ende zu gehen. Das Immobilienimperium verschwand mangels potenzieller Kunden, wieder in der Kartonschachtel.

Wie gesagt, bei uns dauerte das Spiel jeweils deutlich länger. Denn dann, wenn sich eigentlich ein Ende abzeichnete, tat einem der noch verbleibende Bruder plötzlich etwas leid. Man erliess ihm einen Teil der Schulden, begnügte sich allenfalls mit einer Seilbahn als Entschädigung oder unterstützte ihn gar mit ein paar tausender vom eigenen Spielgeld. Damit blieb einem zumindest ein Mitspieler erhalten, die eigene Macht existierte weiterhin, Monopoly konnte in eine weitere Runde gehen.

Wir fordern mehr Rente, Lohn und Schutz. Wir kreiden die ungerechte Verteilung an und das ist richtig, aber es keine Forderung um zu verharren. Die ungerechte Verteilung ist nicht die Konfliktlinie auf der wir kämpfen sollten. Denn damit kämpfen wir um einzelne Spielkarten, aber nicht um die Spielregeln, nicht um das Spiel überhaupt.

Die Millionäre, die sich in den USA, aber auch in Deutschland, plötzlich dafür einsetzen, dass sie mehr Steuern bezahlen können, die Regierungen die entgegen ihren Grundsätzen in den Markt und in den Wettbewerb eingreifen, die teilweise sogar noch höhere Steuern für Superreiche einführen, die tun das alles nicht, weil die Verteilung ungerecht ist, die tun das weil ihnen sonst über kurz oder lang die Mitspieler ausgehen.

Denn spätestens dann, wenn selbst in den westlichen Länder die Armut so gross ist, dass eine grosse Mehrheit sich nicht mehr um irgendwelche Extras kümmert, sondern sich Sorge machen muss um ein Dach über dem Kopf, wenn sich eine Mehrheit nur noch mit Lebensmittelhilfen das tägliche Überleben sichern kann, wie das bereits bei jedem siebten Amerikaner der Fall ist, spätestens dann ist Ende Sendung.

Und deshalb stelle ich die Frage: Ist all diesen Leuten geholfen, wenn der Mitspieler einfach mal wieder einen tausender rüber schiebt? Oder der Staat dann und wann mit Privatisierungen über Wasser gehalten werden kann? Ja, es ist ihnen geholfen, aber nur kurzfristig. Ja, wir müssen für eine gerechte Verteilung kämpfen, aber das darf nicht unsere politische Perspektive sein.

Der Kampf, den wir führen müssen, ist nicht, mehr von den dreckigen Geschäften der Banken zu kriegen. Der Kampf muss sein, die dreckigen Geschäfte der Banken zu stoppen.

Denn wir müssen uns bewusst sein: Auch dort, wo unsere aktuellen oder künftigen Renten und Löhne herkommen, findet die Ausbeutung statt. Es ist die Ausbeutung der Schweizer Bevölkerung, aber insbesondere auch die Ausbeutung von Menschen in anderen Ländern.

Die Finanzierung der Renten über die Pensionskassen und damit über die Kapitalmärkte macht uns nämlich alle zu unfreiwilligen Komplizen der Ausbeutung. Komplizen von einem System, das sich immer neue Felder erschliesst, weil sie andere bereits als verbrannte Erde zurückgelassen hat. Am besten zeigt sich diese Entwicklung bei den NahrungsmittelnSchweizer Hedgefonds, Schweizer Banken, aber auch Schweizer Pensionskassen haben seit dem Strudeln des Aktien- und Immobilienhandels begonnen, intensiv mit Nahrungsmittel zu spekulieren. Sie wetten auf steigende oder sinkende Kurse, sie wetten und wetten, ohne dass sie je eine Interesse daran haben, überhaupt ein Mais- oder Reiskorn zu besitzen. Die Kosten dieses Spiels sind beträchtlich: Seit dem Jahr 2000 sind die Preise für Grundnahrungsmittel um 150% gestiegen. Wir in Schweiz geben nur 15% unseres Haushaltsbudgets für Nahrungsmittel aus. Das ist nicht viel. Und das heisst deshalb, dass wenn wir allenfalls merken, dass deshalb der Bierpreis etwas steigt, der Kaffeepreis mal in exorbitante Höhen schnellt und wieder runterkracht oder sich der Bäcker beklagt, dass die Marge für sein Brot etwas kleiner wird, dann merken das Millionen andere Menschen in ihren Mägen.

Wäre die Welt zu Gast im Kanton Aargau, hätten wir hier durchschnittliche Verhältnisse, dann würden hier jedes Jahr 800 Menschen verhungern. 93’000 Aargauerinnen und Aargauer wären unterernährt. Und das nicht zuletzt um unsere Pensionskassen und den Reichtum unserer Milliardäre zu finanzieren.

Denn wenn die Preise für Grundnahrungsmittel um 1% steigen, dann hungern 15 Millionen Menschen mehr auf diesem Planeten. Jährlich sterben 8.8 Millionen Menschen an Hunger. Und wie Jean Ziegler richtig sagt: Sie sterben nicht einfach so, sie werden umgebracht. Nicht zuletzt von unseren Banken, unseren Hedgefonds, unseren Pensionskassen.

Und da frage ich euch liebe Kolleginnen und Kollegen.

Können wir hier bei unserem nationalen Kampf für einen grösseren Anteil vom Kuchen verharren?

Das kann nicht die Lösung sein. Wir müssen das perverse System zurückdrängen. Von der Spekulation auf Nahrungsmittel, über Rohstoffe, Firmen und damit Arbeitsplätzen, bis hin zu Immobilien. Wir müssen die Sümpfe und Kloaken dieses Systems trocken legen. Wir müssen die Spielregeln des Spiels ändern.

Es reicht deshalb nicht, höhere Steuern für Reiche zu fordern, die intelligenten Marktradikalen haben längst gemerkt, dass das auch in ihrem Interesse ist.

Es muss uns bewusst sein, dass so viel wir auch immer kriegen mögen im Brettspiel des Kapitalismus: Es bleiben die Almosen jener, die alles haben, jener die noch ein paar Dumme brauchen die mitspielen, weil sonst ihr Spiel zu Ende wäre. Wir wollen nicht nur mehr vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei. Der Fehler, den die Linken in Europa und in der Welt machten ist grundlegend. Es ist der Fehler mitzuspielen. Liebe Kolleginnen und Kollegen: Es ist Zeit für Game Over.

Mehr Lohn, mehr Rente, mehr Arbeit für alle auf diesem Planeten, geht nicht mit diesen Spielregeln. Mehr! muss für uns bedeuten:, mehr vom Anderen, mehr von den Alternativen ,. Mehr von den Menschenrechten, mehr Solidarität und ganz wichtig: mehr Demokratie. Und zwar eine Demokratie in allen Lebensbereichen: sei es Wirtschaft, Gesellschaft oder Politik. Und dieses Mehr bedeutet eben auch weniger vom jetzt Existierenden: Es bedeutet: Schluss mit der Macht der Finanzmärkte, Schluss mit der Macht der Superreichen und ihren politischen Vasallen, Schluss mit Gewalt und Krieg als politisches Instrument. Es bedeutet letztendlich: Schluss mit diesem alles zerstörenden Spielbrett namens Kapitalismus. Werfen wir Monopoly in den Schrank der Geschichte.

Es lebe der 1. Mai!

Je mehr Reiche desto weniger Steuerertrag

admin 11. Oktober 2011

Je mehr Reiche desto weniger Steuerertrag

Je mehr Reiche in einer Stadt wohnen, desto weniger Steuereinnahmen können generiert werden. Das klingt paradox, ist aber durch die Antwort eine meiner Interpellationen bewiesen. Denn wer für Reiche baut, der baut grosse Wohnungen und Einfamilienhäuser. Sprich: Reiche brauchen mehr Platz. Auf der gleichen Anzahl Quadratmeter könnten aber mehr Leute wohnen, wenn nicht für Reiche, gebaut würde. Diese Leute generieren gemeinsam mehr Steuerertrag. Den ganzen Beitrag lesen »

Rede an der SP-DV in Biel

admin 1. Oktober 2011

Wer sich an hohen Managerlöhnen stört, wer die Boni-Exzesse ungerecht findet, der ist neidisch, ist auf einer selbst verschuldeten Verliererseite und müsste sich halt einfach selbst mehr anstrengen.

Eine Argumention, die nicht nur unglaublich abgelutscht und langweilig, sondern volkswirtschaftlich grundfalsch ist.

Den ganzen Beitrag lesen »

Davids Kandidatur unterstützen

admin 15. Juli 2011

Alleine Wahlkampf zu machen macht wenig Spass. Deshalb bin ich auf Deine Unterstützung angewiesen. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Du unterstützt mich mit Deinem Namen
  • Du hast einen Garten oder einen Balkon und wärst bereit dort ein Plakat aufzustellen.
  • Du bist bereit Karten an Bekannte zu verschicken (Du schreibst einen persönlichen Gruss drauf und ich verschicke sie dann).
  • Und natürlich, kostet so ein Wahlkampf auch etwas, deshalb bin ich auch froh um finanzielle Unterstützung.

Bitte andersweitige Unterstützungszusagen einfach unten ins Feld schreiben.

 Ich stelle/hänge ein Plakat in meinen Garten/an meinen Balkon
 Ich verschicke persönliche Karten.
 Ich habe sogar einen Bazen locker und würde den spenden. Und zwar: Franken

Vorname/Name (Pflichtfeld)

Email Adresse (Pflichtfeld)

Adresse (Pflichtfeld)

Telefon

Betreff

Deine Nachricht

Nicht transparent, sondern durchsichtig

admin 12. Juni 2011

Nicht transparent, sondern durchsichtig
Diese Woche lancierte Lukas Reimann eine Pseudo-Transparenz-Initiative. Das Volksbegehren ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wird.

Der ursprüngliche Vorschlag von Lukas Reimann war, dass die Politiker sämtliche Einkünft offen legen müssen. Damit hätte ersichtlich sein sollen, mit wie viel Geld sich die Pharma-, Banken- und Versicherungslobby ihre ParlamentarierInnen zusammenkauft. Gefehlt bei diesem Vorschlag hätten die viel grösseren Beträge, welche von diesen Lobbys jährlich an die bürgerlichen Parteien bezahlt wird. Den ganzen Beitrag lesen »

Der Boden gehört allen

admin 24. Mai 2011

Der Immobilienmarkt ist unterwandert von der Finanzindustrie. Dies führt dazu, dass wir einen immer grösseren Teil unserer Einkommen an die Vermögenden abtreten müssen. Den ganzen Beitrag lesen »

Wer nicht ersäuft, wird interniert

admin 10. Mai 2011

Die Flüchtlingspolitik der bürgerlichen Parteien hat sich seit dem 2. Weltkrieg nicht verändert. Da passt es ins Bild, dass die FDP nun Internierungslager fordert.

Dass die Flüchtlinge ihr Leben aufs Spiel setzen, ist Realität. Jährlich sterben Tausende von Menschen beim Versuch, ihrem bisherigen Dasein zu entfliehen. In den letzten zwei Monaten starben dabei mindestens 800 Menschen. Glauben Sie, denen geht es bloss um ein bisschen Wohlstand? Glauben Sie ernsthaft, die tun das für eine geheizte Wohnung mit einem Fernseher? Den ganzen Beitrag lesen »

Selbstbedienungsladen?

admin 19. April 2011

Es war ein gutes Jahr für Abzocker. Nach Krise, Staatshilfe und staatlichen Sparrunden auf dem Buckel von uns allen langen sie bereits wieder mit beiden Händen zu. Von den Profiten des Aufschwungs erhalten die Arbeitnehmenden einmal mal mehr nur die Krümmel. Die Lohnbandbreite zwischen Angestellten und Managment bleibt bei den 41 untersuchten Unternehmen 1:43. Dies zeigt die Unia-Lohnstudie. Den ganzen Beitrag lesen »

Windfahnen

admin 22. März 2011

Kolumne in Luzerner Rundschau

Stellen Sie sich eine Arena-Diskussion im Jahr 2006 vor. Die Themen der Sendung: Atomausstieg und Marktregulierung. Über die Bedenken der SP bezüglich Gefahren die von Atomanlagen ausgeht wird herzhaft gelacht und bei Vorschlägen den Banken gewisse Leitplanken zu setzen steigt bei den bürgerlichen Vertretern die Zornesröte ins Gesicht.
Den ganzen Beitrag lesen »

Wenn die eigenen Gesetze nerven…

admin 24. Februar 2011

Rede im Grossen Stadtrat vom 24. Februar 2011 zu den Kafi-Schnaps-Vorstössen der FDP und SVP-Fraktionen

Der Verantwortliche Stadtraum und Veranstaltungen, Rico de Bona liess kürzlich verlauten, man werde die vielen illegalen Bars an der Fasnacht nicht mehr tolerieren, respektive schärfere Kontrollen zu machen. Ganz im Sinne von “Regeln müssen durchgesetzt werden, alle haben sich an die Gesetze zu halten” oder mit anderen Worten: “Es darf keine rechtsfreien Räume geben.”

An der Fasnacht gelten Regeln etwas weniger. Aber es gibt kein Recht auf illegalen Schnaps-Abgabe, was mich übrigens ein wenig an die kontrollierte Heroin-Abgabe erinnert. Schnaps wird genau wie in illegalen Bars gegen Kollekten „gratis abgegeben. Man macht es einfach und bislang haben wir das alle stillschweigend toleriert. Wir waren alle genug intelligent zu wissen, dass wir nicht darüber reden sollten, weil wir sonst alle eingestehen müssten uns an der Fasnacht nicht regelkonform zu verhalten. Die Stadtverwaltung äusserte sich ungeschickt (weil so heiss wird die Suppe nicht gegessen), die Neue LZ hatte mal wieder nichts zu schreiben, brachte die Geschichte riesengross und bürgerliche Politiker sind genug dumm hier auch noch aufzuspringen. Den ganzen Beitrag lesen »

Nächste Einträge »